Beidseitiger Kreuzbiss: Ursachen, Symptome und moderne Behandlungsansätze

16.06.2025

Beidseitiger Kreuzbiss: Ursachen, Symptome und moderne Behandlungsansätze

Ein beidseitiger Kreuzbiss ist eine Zahn- und Kieferfehlstellung, bei der die unteren Seitenzähne außerhalb der oberen Seitenzähne liegen – und das auf beiden Seiten. Diese Fehlstellung kann die Kieferentwicklung stören, Beschwerden im Kiefergelenk verursachen und das Gesichtsprofil beeinflussen.

In diesem Artikel erfahren Sie, welche Ursachen hinter einem beidseitigen Kreuzbiss stecken können, wie sich die Symptome äußern und welche Behandlungsmöglichkeiten es heute gibt – von klassischen Zahnspangen bis hin zu modernen Aligner-Systemen.

Was ist ein beidseitiger Kreuzbiss?

Ein Kreuzbiss liegt immer dann vor, wenn die Zähne von Ober- und Unterkiefer seitlich nicht korrekt aufeinandertreffen. Im Falle eines beidseitigen Kreuzbisses ist diese Fehlstellung – wie der Name bereits andeutet – auf beiden Seiten des Kiefers vorhanden. Meist ist der Unterkiefer dabei breiter als der Oberkiefer. Das führt dazu, dass beim Zusammenbeißen die unteren Seitenzähne nicht innen, sondern außen an den oberen Seitenzähnen vorbeiführen.

Diese falsche Verzahnung stört nicht nur das Kauen, sondern kann auch langfristig das Gesichtsprofil und die Kieferentwicklung negativ beeinflussen – insbesondere bei Kindern und Jugendlichen, deren Knochen noch im Wachstum sind.

Mögliche Ursachen: Warum entsteht ein beidseitiger Kreuzbiss?

Ein beidseitiger Kreuzbiss entsteht selten ohne Vorwarnung. Häufig sind genetische Faktoren im Spiel – etwa ein erblich bedingter zu schmaler Oberkiefer. Doch auch äußere Einflüsse und ungünstige Gewohnheiten können zur Entwicklung dieser Fehlstellung beitragen. Typische Ursachen sind:

  • Daumenlutschen oder dauerhaftes Nuckeln an Flaschen und Schnullern

  • Zungenpressen beim Schlucken oder Sprechen

  • Fehlfunktionen der Gesichtsmuskulatur, vor allem im Wangen- und Zungenbereich

  • Frühzeitiger Verlust von Milchzähnen, der das natürliche Kieferwachstum behindert

  • Chronisch verstopfte Nasenatmung, z. B. durch vergrößerte Polypen oder Mandeln

Wird eine solche Fehlstellung frühzeitig erkannt, kann man durch geeignete Maßnahmen das Fortschreiten stoppen oder sogar rückgängig machen.

Typische Symptome und mögliche Folgen

Ein beidseitiger Kreuzbiss kann sich durch verschiedene Symptome äußern, die nicht immer direkt mit den Zähnen in Verbindung gebracht werden. Viele Patienten berichten über:

  • Kauprobleme oder einseitiges Kauen

  • Knackende oder schmerzende Kiefergelenke

  • Sprachprobleme, etwa durch fehlerhafte Zungenlage

  • Gesichtsasymmetrien oder ungleichmäßiges Kieferwachstum

  • Zähneknirschen oder Pressen in der Nacht (Bruxismus)

Gerade im Kindesalter ist es entscheidend, den Kreuzbiss frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Denn das Wachstum des Gesichts und der Kiefer kann durch die Fehlstellung dauerhaft beeinflusst werden.

Kann ein beidseitiger Kreuzbiss von selbst verschwinden?

Die Hoffnung vieler Eltern: „Vielleicht wächst sich das noch aus.“ Doch in den meisten Fällen ist dies leider nicht der Fall. Ein beidseitiger Kreuzbiss verschwindet in der Regel nicht ohne Behandlung. Im Gegenteil: Ohne gezielte therapeutische Maßnahmen verschlechtert sich die Situation oft mit der Zeit. Nur in sehr seltenen Fällen, etwa bei vorübergehenden Fehlstellungen im Milchgebiss, kann sich die Position durch das natürliche Zahnwachstum verbessern – dies stellt jedoch die Ausnahme dar.

Diagnostik: Wie wird der Kreuzbiss festgestellt?

Die Diagnose eines beidseitigen Kreuzbisses erfolgt durch den Kieferorthopäden. Bereits bei der klinischen Untersuchung im Mund zeigt sich, ob die Zähne beim Zubeißen korrekt stehen oder ob eine Fehlstellung vorliegt. Ergänzend werden häufig bildgebende Verfahren wie Röntgen oder digitale Scans eingesetzt, um die Lage von Zähnen und Kiefer in ihrer Tiefe beurteilen zu können. Abdrücke oder digitale Modelle helfen dabei, die Situation genau zu analysieren und einen Behandlungsplan zu erstellen.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Die Art der Behandlung hängt stark vom Alter des Patienten, vom Schweregrad des Kreuzbisses und von der zugrunde liegenden Ursache ab. Bei Kindern liegt der Fokus häufig auf der Wachstumssteuerung, während bei Erwachsenen oft komplexere Korrekturen nötig sind.

Typische Behandlungsmethoden bei Kindern:

  • Gaumennahterweiterung (Palatinalexpander)

  • Frühbehandlung mit losen Zahnspangen

  • Wachstumslenkung zur Förderung der Oberkieferentwicklung

Therapieoptionen für Erwachsene:

  • Klassische festsitzende Zahnspangen

  • Transparente Aligner-Systeme (z. B. Invisalign)

  • Bei sehr ausgeprägten Fällen: kombiniert kieferorthopädisch-kieferchirurgische Eingriffe

Ziel jeder Behandlung ist es, die korrekte Verzahnung wiederherzustellen, die Funktion zu verbessern und ästhetische Wünsche zu berücksichtigen.

Welche Rolle spielt die Kieferorthopädie?

Die Kieferorthopädie ist der Schlüssel zur erfolgreichen Korrektur eines beidseitigen Kreuzbisses. Hier wird nicht nur der Zustand exakt diagnostiziert, sondern auch ein individueller, langfristig tragfähiger Therapieplan erstellt. Während der gesamten Behandlungsdauer überwacht der Kieferorthopäde regelmäßig den Fortschritt und passt die Maßnahmen bei Bedarf an. Auch die Nachsorge – etwa durch Retainer – ist entscheidend, um das erreichte Ergebnis langfristig zu sichern.

Ergänzende Therapien: Myofunktionelle Therapie & Logopädie

Neben der klassischen Zahnregulierung spielen ergänzende Therapieformen eine wichtige Rolle – insbesondere, wenn der Kreuzbiss durch funktionelle Störungen der Muskulatur oder der Zungenlage mitverursacht wurde.

  • Myofunktionelle Therapie trainiert die Muskeln im Mund- und Gesichtsbereich und kann helfen, die natürliche Funktion von Zunge und Lippen wiederherzustellen.

  • Logopädie unterstützt bei Fehlfunktionen des Schluckens oder Sprechens und kann durch gezielte Übungen zur korrekten Mundmotorik beitragen.

Diese begleitenden Maßnahmen erhöhen den langfristigen Behandlungserfolg und sorgen für eine ganzheitliche Verbesserung.

Wie lange dauert die Behandlung?

Die Therapiedauer variiert je nach Ausgangssituation. Während leichte Fehlstellungen innerhalb weniger Monate korrigiert werden können, kann die Behandlung bei ausgeprägteren Befunden auch 1–3 Jahre in Anspruch nehmen. Besonders wichtig: die regelmäßige Kontrolle beim Kieferorthopäden und die aktive Mitarbeit des Patienten – etwa beim Tragen von Spangen oder Retainern.

Warum eine rechtzeitige Behandlung entscheidend ist

Je früher ein beidseitiger Kreuzbiss erkannt wird, desto einfacher ist die Korrektur. Wird die Fehlstellung ignoriert, kann sie zu bleibenden Schäden am Kiefergelenk, zu chronischen Schmerzen oder zu dauerhaften funktionellen Einschränkungen führen. Eine frühzeitige Intervention kann dies verhindern – und trägt ganz nebenbei auch zu einer positiven ästhetischen Entwicklung bei.

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